QR|Kunst & Politik

Das aktuelle QR-Projekt von Michael Weisser beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit der gestaltete i:Code als Medium in der politischen Diskussion und als Schlüssel zur Erinnerung wirken kann.
In seinem Schreiben an den Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Herrn Christian Weber, macht Weisser im Januar 2015 den Vorschlag, einen großformatigen i:Code am Haus der Bürgerschaft anzubringen. Wer den gestalteten Code mit dem Smartphone scannt, wird auf eine Website geleitet, die der Erinnerung im Allgemeinen und dem Franzosen André Migdal im Besonderen gewidmet ist.

André Migdal, geboren am 21. Juni 1924, verstorben am 19. Februar 2007, Häftling mit der Nummer 30.655 im KZ Neuengamme, ist einer der wenigen Zwangsarbeiter, der unter dem Nazi-Regime den Bau des U-Boot-Bunkers in Bremen-Farge überlebt hat. Nach dem Krieg kam er mehrfach aus Paris nach Bremen zurück und mahnte die Erinnerung im steten Bemühen um Versöhnung an.
Michael Weisser: »André hat meine Ausstellung ›entZerrung‹ im Jahr 2005 in der Krypta des Doms zu Bremen mit bewegenden Worten eröffnet. Danach kam er in mein Atelier und hat bei mir sein poetisches Hauptwerk, die ›Cantate für das Leben‹ in Französisch rezitiert. Um diesen ergreifenden Text auch für die Bremer Zuhörer zu erschließen, habe ich die Bremer Schauspielerin Gabriele Möller-Lukasz engagiert, die deutsche Version in versetzter Stereofonie einzusprechen.

Der schwarze, von der Hauswand abzublättern drohende Code und die hinter ihm liegende Website sollen an den Bremer Ehrenbürger André Migdal und an das Schicksal von Millionen verfolgter, gequälter und getöteter Menschen erinnern. Ergänzt wird die Vita durch ausgewählte Reden gegen Ausgrenzung und Verfolgung. Dieses Projekt soll nicht nur die Bewohner und Besucher unserer Hansestadt ansprechen, sondern auch die Diskussion in Schulen über das Verhältnis von Kunst, Politik, Erinnerung und Versöhnung anregen.
Über den Fortgang dieser interessanten Diskussion werde ich in meinem neuen Buch ›Der-QR-Code. Geschichte, Technik, Wirkung, Gefahren. Ästhetik und Visionen‹ schreiben.«

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